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Slowenien: Mehr Gewicht als Geschick
Portrait des slowenischen Außenministers Dimitrij Rupel

Für jemanden mit zwei Jahrzehnten diplomatischer Erfahrung sei der Mann „erstaunlich ruppig“, wunderte sich der britische „Economist“. Dabei tritt der imposante Herr mit dem eisgrauen Bart für seine Verhältnisse erstaunlich bescheiden auf. Mit gutem Grund: Endlich steht Dimitrij Rupel vor einer Aufgabe, die seinen Talenten und seiner Erfahrung angemessen ist. Der slowenische Außenminister ist vom 1. Januar an de facto das Haupt der Europäischen Union – und muss die EU in dieser Funktion heil durch die kommende Kosovo-Krise bringen.

 Der 61-jährige Rupel zählt in Slowenien zu den wenigen „Vätern der Nation“. In den Achtzigern gründete der Autor von sechzehn Romanen und Novellen mit anderen die legendäre Literaturzeitschrift Nova Revija, die als erste Kraft gegen Belgrad und die KP opponierte. Rupel war es, der einen Hauch große Welt in die provinzielle Opposition von Ljubljana brachte: Er sprach englisch, war ein Jahr lang Austauschstudent in Essex gewesen und hatte schließlich in den USA promoviert. So schien es nur natürlich, dass Rupel 1990 erster Außenminister der wenig später unabhängigen Republik wurde. Einen Platz in der nationalen Heldentafel sicherte sich der gebildete und sprachgewandte Literat mit seinem erfolgreichen Einsatz für die Anerkennung des neuen Staates. Rupel habe „die slowenische Außenpolitik erst erfunden“, schrieb die angesehene Tageszeitung „Delo“.      

 In den Neunzigern dann erwies der verdienstvolle Politiker sich schon als zu groß für seine Umgebung. Um an der Regierung bleiben zu können, führte er seine liberale Dissidentenpartei zu den Liberaldemokraten von Premier Janez Drnovsek. Die hatten zwar eine KP-Vergangenheit hatten, verfügten aber über Regierungsämter. Nach einem kurzen Zwischenspiel als Bürgermeister von Ljubljana zog es den Mann mit dem starken Ego zurück auf die internationale Bühne: Rupel wurde Botschafter in Washington und dann wieder Außenminister.

 In seinem alten Amt bewies Rupel zwar Gewicht, aber nicht immer auch Geschick: Konflikte mit Italien und später mit Kroatien ließ er eskalieren, immer mit Blick auf eine national gestimmte Öffentlichkeit. Kein Premier traute sich, den populären Mann abzulösen. Nur Rupel selbst konnte Rupel stürzen: Seine Unterstützung für den Irak-Krieg kostete den US-Freund schließlich den Job. Aber kein halbes Jahr später war er wieder da: Vor der Wahl 2004 kehrte das wendige Schwergewicht den Liberaldemokraten den Rücken und schloss sich der konservativen Partei des jetzigen Premiers Janez Jansa an - der ihn prompt wieder zum Außenminister machte.

 Seither fiel Rupel vor allem mit seiner harten Linie im Grenzstreit mit Kroatien auf: Er lässt den Nachbarn gern spüren, dass dessen Weg in die EU über Ljubljana führt – und nützte die Einrichtung einer Fischereizone an der Adria, um ein schon vereinbartes Schiedsverfahren wieder abzusagen. Der überzeugte Atlantiker, der an den Amerikanern das Krisenmanagement bewundert, sei eben ein sehr amerikanischer Politiker, meinte eine Kritikerin: „Er schafft Krisen, um sie dann zu lösen.“ Im Kosovo allerdings, für das Rupel als erster EU-Außenminister offen die Unabhängigkeit forderte, ist die Krise schon da. Sie zu meistern, erfordert weniger Gewicht, das ein slowenischer Außenminister auf internationalem Parkett kaum mitbringt, als vielmehr Geschick. Im Kreise der EU-Kollegen aber ist Rupel  wegen seiner schroffen Einschätzungen und seines prallen Selbstbewusstseins nicht eben beliebt.