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Beamte in kleiner Stückzahl: Bei der Ratspräsidentschaft Sloweniens geht es auch um
Quantität
LJUBLJANA. Was wohl am schwierigsten wird, wenn Slowenien
die Ratspräsidentschaft der Europäischen Union übernimmt? Matej Marn, Leiter
der Europa-Abteilung im Außenministerium, muss da nicht lange nachdenken: „Die
Verwaltung.“ In 3.000 Sitzungen werden im nächsten Halbjahr slowenische Beamte
den Vorsitz führen müssen, 1.500 Abstimmungen zwischen den Mitgliedsstaaten
haben sie zu bewältigen. Dabei geht es auch um Quantität. Am Sitz der Vereinten
Nationen in New York zum Beispiel, wo die EU ihre Kosovo-Politik wird
koordinieren müssen, hat die kleine Republik gerade einmal 25 Beamte. Selbst Luxemburg
hat dort 33. Mit Qualität lässt das Manko sich nicht wettmachen. „Unsere
Leute“, sagt Marn, „können schließlich nicht drei Sitzungen auf einmal leiten.“
Zweifel allerdings, dass der nach Malta, Luxemburg, Zypern
und Estland fünftkleinste EU-Staat die Aufgabe am Ende meistert, sind weit und
breit nicht auszumachen. Logistisch sei alles perfekt, sagt ein europäischer Diplomat
in Ljubljana, das neue Konferenzzentrum Brdo, gleich am Flughafen gelegen, sogar
„vom Feinsten“. Die größte Herausforderung wird ein Gipfel der EU mit George W.
Bush, der letzte seiner Amtszeit. Die Kunst ist, Sitzungen zu leiten, in denen
es um hoch spezielle Fragen geht. „Botschafter aus großen Ländern“, so der
Diplomat, „haben alle halbe Stunde einen anderen Berater neben sich sitzen, je
um welches Unterthema es geht.“ Bei kleinen Ländern sitze dort den ganzen Tag
derselbe.
Große Initiativen werden nicht erwartet. Gemeinsam mit
Deutschland und Portugal, den Vorgängern in der Präsidentschaft, hat das Land,
EU-Mitglied erst seit 2004, ein Programm über 18 Monate beschlossen. Das wird nun
Punkt für Punkt abgearbeitet. Wichtigste Aufgabe ist, die Ergebnisse des
Klima-Gipfels von Bali auf Europa herunter zu brechen.
Immerhin wollen die Neuen aber politische Akzente setzen. Zu
den fünf „Schwerpunkten“, die letzte Woche präsentiert wurden, gehört - neben
Pflichtübungen wie den „Lissabon-Zielen“ – auch der Westbalkan. Selbst einst
ein Teil Jugoslawiens, will Slowenien im Halbjahr seiner Präsidentschaft „alle
Kandidatenstaaten einen Schritt voranbringen“, wie der neu gewählte Präsident
Danilo Türk es formuliert. Ende März sollen alle Außenminister Südosteuropas
nach Ljubljana kommen. Das Treffen fällt voraussichtlich mitten in die
heikelste Phase im Streit um das Kosovo. Ljubljana steht dabei im
Schweinwerferlicht: Seinem Außenminister Dimitrij Rupel, einem Urgestein der
slowenischen Politik, kommt die Aufgabe zu, die in der Frage auseinander
driftende Union zu koordinieren.
Geschick brauchen die Slowenen auch mit ihrem „Club Med“:
Als Hommage an die französische Präsidentschaft, die im zweiten Halbjahr folgt,
will Slowenien in dem Badeort Piran ein „universitäres Zentrum“ für den
Mittelmeerraum ins Leben rufen. Das passt in die Strategie der Franzosen, die
Augen der Gemeinschaft künftig stärker nach Süden als nach Osten zu richten –löst
aber Irritationen in Berlin aus.
Übertriebener Nationalstolz hat den Slowenen bei der
Vorbereitung offenbar nicht zu schaffen gemacht. Außenminister Rupel etwa lässt
seine Afrika-Politik von einem deutschen Ministerialen koordinieren – selbst
unterhält Slowenien nur in Kairo eine Botschaft. Auch andere EU-Länder haben
Beamte geschickt. Hilfe vom Sekretariat der Präsidentschaft in Brüssel wird
gerne angenommen. Zur Not werde man zu Spezialthemen auch einmal dem
Botschafter eines anderen Landes den Vorsitz überlassen, sagt Marn. Dazu passt
ein bescheidener Rahmen: Anders als etwa die Finnen, die ihre europäischen
Gäste in zwölf verschiedene Städte lotsten, wollen die Slowenen alle
Ministertreffen in Brdo abhalten – einem Gelände gleich am Flughafen, mit dem
neuen Konferenzzentrum, einem großen Renaissance-Schloss und einem prächtigen
Blick auf die Alpen. Das geplante Budget gilt mit 62 Millionen Euro als
niedrig.
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